Geburtstage

Immanuel Kant

22.04.1724 - 12.02.1804

Heute vor genau 295 Jahren wurde Immanuel Kant in Königsberg geboren. Er war ein bedeutender Philosoph der Aufklärung und schrieb sehr viele lange Werke, die unter anderem aufgrund ihrer Komplexität bekannt sind. Hier soll es jetzt also um einige seiner Ansätze gehen.

Königsberg, heute: Kaliningrad

Quelle: 2019 Pixabay

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1. Sapere Aude!

Viele kennen diesen Spruch, denn es war der Leitspruch der Aufklärung. Zu deutsch bedeutet er: "Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!". Wie kommt man allerdings auf so einen Satz?
Dafür stellte Kant sich die Frage: Was ist Aufklärung?

Kant geht davon aus, dass der Mensch zunächst einmal unmündig ist, und zwar ist er daran selbst Schuld. Der Mensch ist von Natur aus feige und faul, beziehungsweise bequem oder einfach nicht mutig genug, selbst über Situationen nachzudenken. So lässt er meistens Andere über sich entscheiden. Als Beispiel hierfür eignet sich ein kranker Mensch, der zum Arzt geht und sich auf dessen Rat, beziehungsweise Rezept verlässt. Natürlich hat der Arzt meistens Recht und verschreibt dem Patienten das richtige Medikament. Kant möchte auch nicht die Fähigkeiten des Arztes anzweifeln. Dennoch, so findet er, sind die meisten Menschen zu bequem oder zu fixiert, was Dinge angeht, die sie von anderen Menschen, vielleicht sogar von Gelehrten, erfahren. Auch wenn der Arzt einem eigentlich das richtige Rezept verschreibt, sollte man sich darüber hinaus informieren und selbst überlegen, ob dieses Rezept beispielsweise eine nachvollziehbare oder unmittelbar notwendige Lösung ist. Eventuell gibt es noch weitere Methoden, die zur Besserung des Wohlbefindens des Patienten beitragen können.

Der Mensch sollte sich also im Idealfall neben der ärztlichen Beratung auch eigenständig informieren und mutig sein, seinen Verstand einzusetzen.

Sapere Aude!

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  • #1

    20noname (Tuesday, 07 May 2019)

    Ja im Prinzip kann auch niemand wirklich etwas wissen und so gesehen zählt für die Meisten die Erfahrung. In deinem Beispiel vertraut der Patient dem Arzt unter anderem deshalb, da dieser mehr Erfahrung in diesem Bereich sowie die Erfahrungen anderer Ärzte/Forschern aufgenommen hat. So basiert vieles bzw. alles auf Erfahrungen. Rein objektiv muss das alles aber keinen Sinn bei den Menschen geben. Und Kants "sapere aude" könnte dann darauf hinweisen, dass Erfahrung schnell trügen kann und (die Meinung/Erfahrung anderer Menschen) somit nicht verlässlich ist

2. Der kategorische Imperativ

"Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde."

So lautet die erste Formel des kategorischen Imperativs aus Kants "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten" von 1785. Sie besagt, dass man so handeln soll, dass man daraus ein Gesetz machen könnte, an das sich alle Menschen halten sollen. Damit das selbst formulierte Gesetz gültig sein kann, muss der Verstand vorher prüfen, ob eine Welt möglich wäre, wenn alle Menschen nach diesem Gesetz handeln würden.
Für die gesamte Prüfung des Gesetzes gibt es vier Schritte:

 

  1. Frage: Kann die Handlung subjektiv gewollt sein?
  2. Formulierung einer Maxime (=subjektives Handlungsprinzip)
  3. Verallgemeinerung der Maxime zu einem Gesetz (=ausnahmslose Regel)
  4. Prüfung durch die Vernunft


Kants Ethik ist zudem eine Deontologische. Das bedeutet, dass man nur aus Pflicht handeln sollte und nicht aus Neigung oder aus Nutzen für sich selbst. Kant versteht darunter eine Handlung, die man macht, weil man weiß, dass sie an sich gut ist. Man handelt also nicht, weil man zum Beispiel jemandem gefallen möchte, den man mag (Neigung) oder, weil es einem zum Beispiel Gewinn bringt, wenn man so handelt (Nutzen). Eine Handlung ist eben an sich gut und deswegen sollte man so handeln.
Diesbezüglich stellte er eine weitere Formel auf:

"Handle so, dass du die Menschheit, sowohl in deiner Person als auch in der Person eines jeden anderen, jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst."

Diese Formel ergänzt eigentlich nur, dass man doch aus Nutzen oder aus Neigung handeln kann, sofern die Handlung trotzdem noch an sich gut ist. Ein Beispiel wäre ein Verkäufer, der seinen Kunden seine Ware fair verkauft. Auf der einen Seite zieht er daraus einen Nutzen, weil die Käufer dann vielleicht öfter bei ihm kaufen wollen, weil er fair zu seinen Kunden ist. Allerdings ist der faire Verkauf auch an sich eine gute Handlung und deswegen ist er aus Kants Sicht mit der Pflichtethik, beziehungsweise mit dem kategorischen Imperativ, vereinbar.

Die dritte Formel aus der Reihe des kategorischen Imperativs lautet:

"[E]in jedes vernünftiges Wesen [muss] so handeln, als ob es durch seine Maximen jederzeit ein gesetzgebundenes Glied im allgemeinen Reich der Zwecke wäre."

Das bedeutet, dass jeder vernünftige Mensch einen Zweck hat, und zwar diesen Zweck, dass er nach seinen selbst aufgestellten Maximen handeln muss. Er ist sozusagen an seine eigenen Gesetze gebunden. Diese hat er zuvor ja auf Allgemeingültigkeit geprüft. Wenn auf diese Art und Weise jeder Vernünftige an seine eigenen Maxime gebunden ist, würde jeder vernünftige Mensch an sich gut und richtig handeln.

Das klingt sehr vernünftig und gut durchdacht. Jedoch zeigen sich auch einige Probleme in diesen Formeln. Angenommen, ein guter Freund hält sich bei Dir zu Hause auf. Nun wird dieser von geheimen Agenten versehentlich als gefährlich eingestuft und diese kommen dann bei Dir zu Hause vorbei und fragen Dich, ob sich dieser eine Freund bei Dir zu Hause aufhält. Nun musst Du überlegen: Lüge ich und es passiert nichts oder sage ich die Wahrheit und er wird erschossen? Vernünftig und gesetzesgemäß wäre hier die Entscheidung, nicht zu lügen.
Aber wäre es nicht fatal, einen guten Freund zu Unrecht erschießen zu lassen? Das kann weder moralisch noch vernünftig sein, auch wenn es grundsätzlich vernünftig wäre, die Wahrheit zu sagen. Somit sind solche Situationen sehr kritisch zu betrachten. Man bräuchte also eine Regelung, ein Gesetz, das jede einzelne Ausnahme kennt und demnach rechtmäßig vorschreiben kann, wie man sich in den jeweiligen Ausnahmesituationen verhalten soll, beziehungsweise, wie man handeln soll. Da es viele verschiedene Situationen gibt, ist es schwierig, für jede Einzelne ein Gesetz zu finden. Deswegen hat Kant sich noch eine vierte Formel dazu überlegt:

"Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten können."

Diese letzte Formel kommt aus der "Kritik der praktischen Vernunft" von 1788, die er auch als "Kritik der reinen praktischen Vernunft" bezeichnete. Sie vervollständigt den kategorischen Imperativ und lässt individuelle Handlungsmöglichkeiten offen. So kann zum Beispiel der Mensch aus der vorigen Situation entscheiden, nach welchem gesetzmäßigen Prinzip, nach welchem Ziel er handelt. Das ist dann sogar schon fast teleologisch, also zielorientiert. Das Ziel oder Prinzip sollte hier sein: Ein Mensch darf nicht als vermeintlich Gefährlicher zu Unrecht erschossen werden. So kann der Handelnde entscheiden, dass es besser wäre, wenn er lügt und somit der unrechtmäßig verdächtigte Freund nicht getötet wird.

 

Mit dieser neueren Form des kategorischen Imperativs wäre es theoretisch möglich, eine Welt zu schaffen, in der nur richtig und gut gehandelt und sich verhalten wird. Denn laut Immanuel Kant besitzen wir alle einen Verstand. Damit wären wir in der Lage, allgemeingültige prinzipielle Maxime zu entwerfen und diese auch anzuwenden. Nur leider ist das bis dato eine sehr surreale Vorstellung von annähernder Gerechtigkeit.

Bei einigen Textpassagen habe ich mich auf folgendes Buch berufen:

APPLIS, STEFAN; EMER, BERNHARD u.a. (2009): ethikos 11. Arbeitsbuch für den Ethikunterricht in der Oberstufe. München: Oldenbourg Schulbuchverlag GmbH.

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